Die Biologische Vielfalt

Wusstet Ihr, dass…

…die Astronomen mehr über die Anzahl der Sterne in der Milchstraße wissen, als die Biologen über Zahl der Tier- und Pflanzenarten auf unserem Planeten?

Und das es zwischen Himmel und Erde unzählige Lebensräume, Nischen, Kleinstbiotope gibt. Für alle Lebenslagen haben sich bei in der Tier- und Pflanzenwelt Spezialisten mit bewundernswerten Überlebensstrategien entwickelt.

Die Natur bietet eine unermessliche Vielfalt. Wir Menschen sind Teil der Natur und können ohne sie nicht leben. Wir brauchen sie und müssen sie schützen und erhalten.

Was ist die Biologische Vielfalt? 

Blutweiderich

Die Biologische Vielfalt – oder Biodiversität – beschreibt die Vielfalt des Lebens und seiner Zusammenhänge. Dazu gehören alle Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorga-nismen, Ökosysteme und Landschaften und auch wir Menschen. Eine große biologische Vielfalt ist ein Zeichen für eine gesunde Umwelt. Die biologische Vielfalt beinhaltet:  

 

 

Die Vielfalt der Arten (Artenvielfalt)

Tagpfauenauge

Das bedeutet, dass es Millionen verschiedener Pflanzen- und Tierarten gibt. Bis heute wurden auf der Erde rund 1,7 Mio. unterschiedliche Arten beschrieben. Jedes Jahr kommen etwa 15.000 dazu! Das ist jedoch nur ein Bruchteil der gesamten Artenzahl der Erde: Wahrscheinlich liegt die Gesamtzahl der weltweit verbreiteten Arten bei 13 bis 14 Millionen.

 

 

 

 

 

Die Vielfalt der Gene (genetische Vielfalt)

Jedes Lebewesen unterscheidet sich durch noch so kleine Unterschiede vom anderen seiner Art. Diese Unterschiede bestimmen die Gene -die Erbsubstanz-, die jeden Einzelnen einer Art anders aussehen lassen: Ob lange Nase, kurze Nase, grüne oder blaue Augen, Formen- und Farbenvielfalt der unterschiedlichen Rosensorten unterschiedliche Geschmäcker verschiedener Apfel- oder Kirschsorten. Wenn es also möglichst viele verschiedene Gene innerhalb einer Art gibt, hat diese gute Chancen zu überleben, auch wenn sich ihr Lebensraum verändert.

Wenn sich beispielsweise das Klima ändert, oder es mal in einem Jahr sehr nass ist, überleben diejenigen Tiere der Art, die mit den schwierigen Lebensbedingungen am besten zurecht kommen. Darum ist es so wichtig, dass es nicht nur möglichst viele Tiere oder Pflanzen gibt, sondern auch möglichst viele Tiere und Pflanzen innerhalb der Art.

 

Die Vielfalt der Lebensräume (Ökosystemvielfalt)

Tiere und Pflanzen wachsen in ganz unterschiedlichen Lebensräumen und Gebieten: Etwa im Meer, in der Wüste, in der Erde, im Gebüsch, im Teich, auf der Wiese oder auch in der Luft. Manche Tiere leben nur in einem Lebensraum, manche wandern durch verschiedene Gebiete. Manche Pflanzen wachsen nur unter bestimmten Lebensbedingungen. Insgesamt hängen alle Lebensräume zusammen und sie sind von einander abhängig. Deshalb ist es so wichtig, dass auch hier Vielfalt herrscht. Jeder Lebensraum wird geformt und geprägt von den ökologischen Wechselwirkungen der darin lebenden Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen untereinander und ihrer Umwelt.

 

Die Vielfalt ist deshalb so wichtig, weil jedes Lebewesen ein Teil des Ganzen ist. Stirbt eins aus, hat das Folgen für alle anderen. Das empfindliche Gleichgewicht der Natur wird gestört, auf Dauer kann das den Verlust ganzer Ökosysteme bedeuten.

 

Warum ist die Biologische Vielfalt bedroht?

„Schon 2050 könnte jede vierte Art dem Tod geweiht sein“ (Wissenschaftlerstudie, nature, 8.1.2004)

Die Vernichtung der Lebensräume durch menschliche Eingriffe und die weltweiten Veränderungen des Klimas beschleunigen den Rückgang der Arten. Sie stellen die größte Bedrohung für die Biologische Vielfalt dar.

 

Die Folgen des Klimawandels

Klimademo

Der weltweite Klimawandel bewirkt langfristig einen Temperaturanstieg und so eine Verschiebung von Klimazonen. So schmilzt zum Beispiel das Eis der Arktis rasant: Die dort lebenden Eisbären verlieren zunehmend ihren Lebensraum und ihre Nahrungsquellen. Sie sind dadurch vom Aussterben bedroht.

Auch die Weltmeere sind davon betroffen: Sie gelten als eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde. Die Erwärmung des Wassers durch den Klimawandel macht auch den in den Meeren lebenden Pflanzen und Tieren zu schaffen. Große Teile der weltweiten Korallenriffe, die sehr temperaturempfindlich sind, sind bereits abgestorben.

 

Die Vernichtung der Lebensräume

Die Lebensraumzerstörung stellt für die Tier- und Pflanzenwelt eine ebenso große Bedrohung dar. Auf der Erde leben immer mehr Menschen, so dass immer mehr Land für Wohnraum, Ansiedlungen von Fabriken und die Landwirtschaft benötigt wird und dadurch der Wildnis verloren geht. Menschen überdüngen oder verschmutzen weltweit immer mehr Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Die Zerschneidung von Lebensräumen durch Verkehrswege oder Siedlungen erschwert manchen Tiergruppen Wanderungen und Gebietswechsel.

Durch großflächige Landwirtschaft, Bebauung oder Straßenbau werden beispielsweise viele Wälder und Wiesen vernichtet. Kleinsäugetiere und Insekten finden keine Nahrung und keine Rückzugsgebiete mehr. Pflanzen werden verdrängt.

 

Ein anderes Beispiel: Durch Abbrennen und Abholzen, z.B. um freie Ackerflächen zu schaffen oder Straßen zu bauen, werden täglich große Teile der Regenwälder vernichtet. Mit der Zerstörung der Regenwälder haben schon heute zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum verloren und sind bereits ausgestorben.

 

Die direkte Gefährdung der Arten

Es gibt außerdem vielfältige direkte Formen der Bedrohung von wildlebenden Tieren und Pflanzen. Hierzu einige wenige Beispiele:

Durch Überfischung oder Beifang sind zahlreiche Fischarten vom Aussterben bedroht. Immer mehr, immer größere und immer modernere Schiffe durchstreifen die Meere auf der Suche nach Fisch. Durch moderne elektronische Methode entkommen auch entlegene Schwärme nicht mehr. Riesige Netze holen mehrere hundert Tonnen Fisch auf einen Schlag an Bord.

Mit so genannten Ringwadennetzen werden ganze Fischschwärme eingekreist. Dabei geraten natürlich auch andere Tiere als unerwünschter Beifang ins Netz. Sie werden einfach tot über Bord gekippt. Im östlichen Pazifik wurden so beim Thunfischfang in den letzten Jahrzehnten mehrere Millionen Delphine mitgetötet. Ebenso ergeht es unzähligen Haien, Rochen, Walen, Schildkröten oder Seevögeln.

Das Ansiedeln gebietsfremder Tiere kann sehr bedrohlich für einheimische Arten sein. Ein Beispiel: Der von den Menschen in den Victoriasee in Afrika eingesetzte Nilbarsch ist für das Verschwinden von vielen nur dort vorkommenden Buntbarsch-Arten verantwortlich. Der große räuberische Nilbarsch hat sich derartig schnell vermehrt, dass er den einheimischen Buntbarschen die Nahrung sozusagen vor der Nase weggeschnappt, oder sogar die jüngeren Buntbarsche selber gefressen hat.

Illegale (verbotene) Formen der Jagd (z.B. Elefanten, Nashörner, Gorillas oder Wale) gefährden ebenso zahlreiche Arten. Der Handel mit besonders beliebten seltenen Tieren oder Pflanzen oder Produkten aus ihnen (Elfenbein, Krokodilstaschen) hat immer wieder dazu geführt, dass bestimmte Arten bis auf wenige Exemplare getötet wurden. Viele dieser gejagten Tiere stehen heute unter Schutz, so dass sich ihre Anzahlen erholen konnten

 

Die 9. UN-Naturschutzkonferenz 2008 (COP9)

Die UN-Naturschutzkonferenz ist das politische Gremium zum „Übereinkommen über die biologische Vielfalt“. Vom 19. bis zum 30. Mai 2008 war Deutschland Gastgeber der 9. UN-Naturschutzkonferenz (der Konvention über die biologische Vielfalt).

Auf der Konferenz haben die Gemeinschaft der Vertragspartnerstaaten (es kamen rund 5000 Regierungsvertreter aus aller Welt) ihre jeweiligen Bemühungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt vorgetragen und weitere Maßnahmen gegen die anhaltende Naturzerstörung diskutiert. Die Zeit drängt, denn der rasante Verlust an biologischer Vielfalt soll bis zum Jahr 2010 wenigstens verlangsamt werden (2010-Ziel).

 

Schwerpunkte auf der Konferenz in Bonn 2008

Bei den Treffen der Vertragsstaaten ging es darum, vorzustellen, was bisher erreicht wurde und zu beraten, was bis zur nächsten Konferenz geschehen soll. Die Ziele der UN-Naturschutzkonferenz sind jedoch nur in Teilschritten durchführbar.

 

Auf der Liste der 9. Naturschutzkonferenz in Bonn standen vier Themen ganz oben.

1. Biologische Ressourcen (Rohstoffe) sollen stärker als bisher auch den Ländern zugute kommen, aus denen sie stammen. Bisher ist aber noch nicht genau festgelegt worden, wie umfangreich das im Völkerrecht festgeschrieben werden soll. Deutschland hat sich auf der Bonner Konferenz für eine Fetstlegung eingesetzt.

2. Zum Schutz der Vielfalt steht zu wenig Geld zur Verfügung. In Bonn haben die Teilnehmer Möglichkeiten diskutiert, wie die finanzielle Lage verbessert werden kann. Denkbar wären etwa Abgaben für die Nutzung globaler Umweltgüter. Umgekehrt ließen sich Belohnungen dafür vereinbaren, auf die Nutzung wertvoller Naturgüter zu verzichten. Es gelang zudem neue Finanzierungsquellen zu erschließen.

3. Auf einer früheren Naturschutzkonferenz hat sich Deutschland deutlich für ein weltweites Netz von Schutzgebieten ausgesprochen. Viele Schutzgebiete sind inzwischen entstanden – aber noch nicht genug. Bis 2010 soll ein globals Netz von Umweltschutzgebieten entstehen und maritimen Schutzgebiete sollen bis 2012 ausgebaut werden.

4. Die bisherigen Vereinbarungen zum Schutz der Wälder haben sich als sinnvoll erwiesen, müssen aber erweitert werden, besonders vor dem Hintergrund des Klimwandels. Auf der 9. Naturschutzkonverenz wurde das 2002 verabschíedete Waldarbeitsprogramm weiterentwickelt um ein weltweites Netz von Waldschutzgebieten zu schaffen und Fragen der Finanzierung wurden diskutiert. Deutschland hat eine hohe Summe für den Schutz der Tropenwälder bereit gestellt. 

 

Die Konvention (Übereinkommen) über die Biologische Vielfalt (CBD)

Die Natur liefert sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Sauerstoff zum Atmen, und unzählige Produkte für unsere Ernährung und Gesundheit – ihre einzigartige Vielfalt ist die Lebensgrundlage für uns Menschen.

Deshalb wurde im Jahr 1992 auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro der Schutz der biologischen Vielfalt als ein gemeinsames Interesse der Menschheit anerkannt und die Konvention (Übereinkommen) über die biologische Vielfalt (CBD) formuliert. Das Übereinkommen trat am 29.12.1993 völkerrechtlich in Kraft.

Mittlerweile haben weltweit 189 Länder dieses Übereinkommen unterschrieben. Diese Länder bilden die Vertragspartnergemeinschaft. Deutschland ist seit 1994 Mitglied dieser Gemeinschaft. Im Englischen: Convention on Biological Diversity (CBD).

Das Übereinkommen stellt die internationalen Anstrengungen im Natur- und Umweltschutz auf völlig neue Grundlagen. Als rechtliches Mittel ist die Konvention die weltweit umfassendste Vereinbarung zum Schutz der Natur und zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen auch für kommende Generationen. Zugleich ist sie von enormer wirtschaftlicher Bedeutung, denn das Übereinkommen hat einen umfangreichen Regelungsprozess für die Nutzung biologischer Ressourcen eingeleitet.

 

Die drei Hauptziele des Abkommens sind

1. Die Erhaltung biologischer Vielfalt: Die Biologische Vielfalt muss mit dem Reichtum der Arten, mit der genetischen Vielfalt und mit der Verschiedenartigkeit der Lebensräume auch für nachfolgende Generationen erhalten bleiben.

2. Eine nachhaltige (umweltschonende) Nutzung ihrer Bestandteile: Es wird anerkannt, dass Arten, Gene und Lebensräume zum Vorteil des Menschen genutzt werden dürfen. Die Nutzung soll jedoch so erfolgen, dass sie nicht zum Rückgang oder zum langfristigen Verlust der Biologischen Vielfalt führt.

3. Die gerechte Aufteilung der Vorteile: Die größte Artenvielfalt findet man in den so genannten Entwicklungsländern. Diese verfügen damit über Ressourcen, die wirtschaftlich genutzt werden können. Wenn beispielsweise ein Pharmaunternehmen nach Pflanzeninhaltsstoffen für Medikamente sucht und dadurch viel Geld verdienen kann, dann sollen auch die Herkunftsländer, aus denen die Stoffe kommen davon einen Gewinn haben („benefit-sharing“). Dieser Gewinnausgleich kann sehr unterschiedlich aussehen und muss von Fall zu Fall ausgehandelt werden. Möglichkeiten sind beispielsweise Zahlungen für Schutzprojekte oder die Ausbildung von Forscher/-innen des jeweiligen Landes.